Ein unabhängiger Leitfaden zum Lesen und Verstehen von Texten. Nicht verbunden mit der früheren Website unter dieser Domain, mit Politik, Parteien oder Behörden; keine Rechtsberatung zu Dokumenten.

Fragen

Antworten auf Fragen

Hier stehen die Fragen, die man sich am häufigsten stellt, wenn sich ein Text nicht erschließt: Warum lese ich und behalte nichts? Welches Wörterbuch schlage ich auf? Kann man einem Zitat von einer Grußkarte trauen? Die Antworten sind kurz; Einzelheiten finden Sie in den anderen Bereichen des Leitfadens.

Wenn sich kein Sinn ergibt, liegt das meist nicht an den Lesenden, sondern am Zusammenspiel von drei Dingen: unbekannten Wörtern, langen Sätzen und Müdigkeit. Jedes davon lässt sich einzeln beseitigen.

— Gedanke am Rand

Lesen und Aufmerksamkeit

Warum lese ich eine Seite zu Ende und weiß nicht mehr, worum es ging?

Meist wandern die Augen weiter über die Zeilen, während die Gedanken längst abgeschweift sind. Kurze Pausen helfen: Stellen Sie sich nach einem Absatz oder Abschnitt eine Frage zum Gelesenen und beantworten Sie sie. Fehlt die Antwort, gehen Sie zurück, solange es nur wenige Seiten sind.

Stimmt es, dass man um ein Vielfaches schneller lesen kann, ohne an Verständnis zu verlieren?

Großen Versprechen sollte man mit Vorsicht begegnen. Überfliegen eignet sich, um zu erkennen, worum es in einem Text geht und ob Sie ihn brauchen. Schwieriger Stoff – ein Dokument, ein Lehrbuch, ein populärwissenschaftlicher Artikel – verlangt jedoch langsames Lesen und Zurückblättern. Das Tempo steigt von selbst, wenn Wortschatz und Leseerfahrung wachsen.

Sollte ich noch einmal lesen oder lieber weiterlesen?

Ist die unklare Stelle zentral, lesen Sie sie sofort noch einmal. Ist sie nebensächlich, markieren Sie sie und lesen Sie weiter: Der nächste Absatz erhellt oft den vorigen. Kehren Sie am Ende zu allen Markierungen zurück.

Was bringt lautes Lesen?

Lautes Lesen verlangsamt das Tempo und verhindert, dass man Wörter überspringt. So bemerkt man leichter, wo ein Satz kompliziert gebaut ist und wo der Zusammenhang zwischen seinen Teilen verloren geht. Bei Dokumenten und Gedichten ist diese Technik besonders hilfreich.

Wörter und Bedeutungen

Welches Wörterbuch schlage ich auf, wenn ich ein Wort nicht verstehe?

Für das Russische eignet sich zunächst ein erklärendes Wörterbuch der modernen Sprache, etwa das Wörterbuch von Oschegow, das 1949 erstmals erschien. Für alte und volkstümliche Wörter ist das Wörterbuch von Dal nützlich, das 1863–1866 herauskam; dabei ist zu bedenken, dass sich die Sprache seither verändert hat. Auch jede andere Sprache hat ihre eigenen erklärenden Wörterbücher.

Das Wörterbuch nennt mehrere Bedeutungen. Wie wähle ich die richtige?

Setzen Sie jede Bedeutung anstelle des Wortes in Ihren Satz ein und prüfen Sie, welche einen sinnvollen Satz ergibt. Auch die Beispiele im Wörterbucheintrag helfen: Vergleichen Sie sie mit Ihrem Kontext.

Was ist eine Redewendung, und warum darf man sie nicht wörtlich verstehen?

Es ist ein fester Ausdruck, dessen Sinn sich nicht aus den Bedeutungen der einzelnen Wörter ergibt. Die russische Wendung „bit bakluschi“ (wörtlich etwa „Holzrohlinge schlagen“) bedeutet faulenzen, und die Einzelbedeutungen der Wörter helfen dabei kaum weiter. Solche Ausdrücke schlägt man in phraseologischen Wörterbüchern nach.

Wo sehe ich, wie ein Wort tatsächlich verwendet wird?

Für das Russische im Nationalkorpus der russischen Sprache, das 2004 für Nutzer geöffnet wurde. Dort sind echte Texte gesammelt, und man kann ein Wort in Dutzenden verschiedener Sätze sehen. Das hilft, Bedeutungsnuancen zu erfassen, die ein Wörterbuch nur knapp beschreibt. Auch für andere Sprachen gibt es solche Textkorpora.

Zitate und Quellen

Woran erkenne ich, dass ein Zitat der falschen Person zugeschrieben wird?

Vorsicht ist geboten, wenn bei einem Satz kein Werk angegeben ist, wenn sein Stil nicht zur Sprache der Zeit passt oder wenn derselbe Gedanke verschiedenen Personen zugeschrieben wird. Ein echtes Zitat lässt sich in der Regel in einem konkreten Text nachweisen, mit Angabe von Seite oder Kapitel.

Wo suche ich die Originalquelle?

Beginnen Sie mit dem vollständigen Text des Werks, das als Quelle genannt wird, und durchsuchen Sie ihn. Ist kein Werk angegeben, suchen Sie den Satz in digitalen Bibliotheken und Textkorpora. Wiedergaben auf Zitate- und Aphorismenseiten gelten nicht als Originalquelle.

Darf man aus dem Gedächtnis zitieren?

Im Gespräch ja, in einem geschriebenen Text sollten Sie das Zitat aber mit der Quelle abgleichen. Das Gedächtnis verändert leicht die Wortfolge und manchmal sogar den Sinn eines Satzes. Ist ein Abgleich nicht möglich, geben Sie den Gedanken ehrlich in eigenen Worten und ohne Anführungszeichen wieder.

Was unterscheidet eine Wiedergabe von einem Zitat?

Ein Zitat gibt die Worte des Autors exakt wieder und steht in Anführungszeichen. Eine Wiedergabe vermittelt den Gedanken in Ihren eigenen Worten und darf dem Autor nichts zuschreiben, was er nicht gesagt hat. In beiden Fällen sollten Sie angeben, woher der Inhalt stammt.

  • Praxis

    Wie man einen Vertrag oder eine Anleitung liest, ohne etwas zu übersehen, dazu ein Katalog mit Praxisbeiträgen.

  • Nachschlagen

    Kleines Glossar für Lesende: Wortschatz, Aufbau von Texten, Originalquelle und Sekundärquelle.

  • Sammlungen

    Lesewege: über ein Buch mit Jugendlichen sprechen, ein Dokument vor der Unterschrift, populärwissenschaftliche Texte.

Worauf sich der Text stützt

  • Erklärendes Wörterbuch der lebendigen großrussischen Sprache von W. I. Dal (Angaben zur Ausgabe)
  • Erklärendes Wörterbuch von S. I. Oschegow (Angaben zur Ausgabe)
  • Nationalkorpus der russischen Sprache

Wörterbücher werden neu aufgelegt, Bedeutungsangaben präzisiert und Belegbeispiele in Textkorpora ergänzt. Für eine genaue Antwort sollten Sie daher die aktuelle Ausgabe eines Wörterbuchs heranziehen. Der Leitfaden beschreibt allgemeine Lesetechniken und ersetzt keine Beratung durch Anwälte, Ärzte oder andere Fachleute zum Inhalt eines bestimmten Dokuments.